Darijana Hahn, Kulturwissenschaftlerin, Hamburg---->Hamburger

Der Hamburger - zum Essen

Der Hamburger ist nicht irgendein Gericht. Nein, er ist viel mehr: Er ist eine Ikone, eine Art Nationalheiligtum, ein Botschafter der USA. Zahlreiche amerikanische Forscher beschäftigen sich mit der Geschichte dieses berühmten Namensvetters der Hamburger - nun als Bürger der größten deutschen Hafenstadt. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Stadt und Gericht gibt - lesen Sie selbst!

 

Weit mehr als ein Bulettenbrötchen

Artikel im "Schwarzwälder Bote", 4. September 2004

 

Er heißt so wie ein Bürger der größten deutschen Hafenstadt und ist das Lieblingsgericht der Amerikaner: der Hamburger – der in diesem Jahr offiziell auf 100 Jahre steile Karriere zurückblicken kann.

Fragt man in einem Hamburger Restaurant mit regionaler Küche, ob denn auch Hamburger auf der Speisekarte stünden, lautet die Antwort: „Nee. Bei uns gibt es Labskaus oder Birne mit Speck, aber doch nicht Hamburger. Das ist ja nichts Hamburgisches, das ist doch eine Erfindung der Amerikaner.“ Dessen sind sich die Amerikaner sehr wohl bewusst, und zahlreiche Forscher haben sich damit beschäftigt, wem denn nun diese glorreiche kulinarische „Erfindung“ zu verdanken sei.  Die Erfindung besteht einerseits darin, wer nun als erster gebratenes Hackfleisch in Brothälften anbot und andererseits wer diesem praktischen Imbiss den Namen „Hamburger“ verlieh.

In der namensverwandten Stadt ist der Hamburger nicht nur beliebtes Gericht; er kommt auch immer wieder in der Werbung zum Einsatz.

Sicher ist, und das ist in der Tat ein Beitrag der zahlreichen Immigranten aus der deutschen, namensverwandten Stadt, dass Hackfleischzubereitungen sowohl in deutschen als auch in amerikanischen Kochbüchern als „Hamburger Steak“ oder „Steak nach Hamburger Art“ bezeichnet wurden. (Dass Hackfleisch dadurch entstand, weil die Reiternomaden unter Dschingis Kahn ganzes Fleisch mürbe ritten und die vielen Händler aus dem Ostseeraum diese Art des Fleischverzehrs dann nach Hamburg gebracht haben sollen, ist eine andere Geschichte.)

Hamburger Steaks gab es nicht nur in Restaurants, sondern vor allem auch bei den Vorläufern der Fast-Food-Läden, den so genannten Lunch-Karren. Und genau solche Mobile, meistens auf Jahrmärkten und Messen, bilden in den zahlreichen Legenden und Sagen rund um den ersten Hamburger in der amerikanischen Geschichte  die Geburtskulisse. Von den mannigfachen Geburtsorten hat es schließlich die Weltausstellung in St. Louis 1904 geschafft, als offizielles Debüt anerkannt zu werden. Sowohl die „Hamburger Universität“ des größten Hamburger-Anbieters der Welt, McDonald‘s, als auch die „Universalgeschichte der ganz gewöhnlichen Dinge“ von dem Amerikaner Charles Panati lassen die Erfolgsgeschichte des amerikanischen Nationalheiligtums vor hundert Jahren in St. Louis – anonym - beginnen. Als Beweis dient ein Journalistenbericht in der „New York Tribune“ – allerdings ohne genaues Datum -, in dem von einem Sandwich mit dem Namen Hamburger die Rede ist - als „Innovation eines Lebensmittelhändlers am Straßenrand“.

Nach dieser angeblichen Premiere des Hamburgers war es vor allem Walter Anderson, der zur nationalen Beliebtheit maßgeblich beitrug, als er 1921 in Kansas ein Hamburger-Restaurant eröffnet hatte. Für 5 Cents das Stück gab es  Hamburger, bei denen das Rinderhackfleisch nicht als Klops, sondern als von beiden Seiten gegartes Küchlein, mit kleingeschnittenen Zwiebeln in einem Brötchen – im Gegensatz bis zu dahin üblichen Brothälften – angeboten wurde. Diese rezeptorische Neuerung blieb der Nachwelt deswegen erhalten, weil Anderson als Vater der modernen Fast-Food-Ketten gelten kann. Mit großem Erfolg durchzog er den US-Staat mit seinen Sauberkeit vermittelnden „White-Castle“-Filialen, die im Lauf der Zeit immer mehr Nachahmer fanden. Unter ihnen auch die Imbisskette, die geradezu ein Symbol für den Hamburger geworden ist: McDonald’s. Sowohl der Hamburger selbst als auch dessen berühmtester Vermarkter, der über 23.000 Filialen auf der ganzen Welt unterhält, sind längst neben Blue Jeans und Jazz zu amerikanischen Ikonen avanciert.

Wenn in Deutschland über das Verhältnis zu Amerika nachgedacht wird, geht das nicht ohne Bezug auf McDonald’s oder eben den puren Hamburger. So schreibt ein Journalist: „Widerstand gegen Amerika ist noch immer Kulturkampf: Wir gegen McDonald’s.“ Und eine Wochenzeitung titelt kurz und knapp: „Bratwurst gegen Burger.“

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